[Interview] Industrie 4.0 out of the box

Der Sensor- und Analysekoffer INAsense eröffnet kleinen und mittleren produzierenden Unternehmen die Möglichkeit, Potenziale der Digitalisierung und von Machine-Learning-Ansätzen schnell und kostengünstig zu nutzen. Was genau hat es damit auf sich? Drei Fragen an Dr.-Ing. Holger Flatt, den zuständigen Gruppen- und Projektleiter vom Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo.


Herr Flatt, dieser schwarze Koffer macht gerade Furore. Was verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Äußeren?

Tatsächlich haben wir beachtliche Resonanz aus dem In- und Ausland, seit deutsche und internationale Fachmedien über INAsense berichtet haben. Bei dem Koffer handelt es sich um ein mobiles Produktionsdatenerfassungssystem mit Cloud-Anbindung – das heißt, eine Art Universalwerkzeug für Sensorik und Analyse. Damit können wir schnell und mit geringem Aufwand Prozesse transparent machen, Qualitätsschwankungen auf die Spur kommen oder Anzeichen für eine fällige Anlagenwartung identifizieren, letztlich somit für mehr Effizienz sorgen. Das Besondere dabei ist, dass INAsense anwendungsund branchenunabhängig konzipiert und unmittelbar einsatzfähig ist.

Mit dem Koffer ermöglichen Sie Unternehmen einen Einstieg in Industrie 4.0 für bestehende, herkömmliche Produktionsanlagen?

Wir haben mit INAsense ein grundlegendes Werkzeug, mit dem wir in der laufenden Produktion direkt loslegen können. Gerade für Mittelständler ist Industrie 4.0 oft noch ein abstrakter Begriff und sie haben keine Idee, wie und wo das für sie konkret werden könnte. Deshalb bieten wir an, mit unserem mobilen Sensorsystem zu kommen, vor Ort Daten zu gewinnen und diese mit den modernsten Methoden auszuwerten, um Effizienzpotenziale aufzuzeigen oder Probleme einzukreisen. Die Unternehmen müssen zunächst weder eigene Sensorik-Hardware anschaffen, noch brauchen sie Mitarbeiter mit Industrie-4.0-Expertise oder ein Konzept, welche Daten sie erfassen möchten – sie beauftragen einfach uns als Dienstleister.

Das klingt ein bisschen nach Feuerwehreinsatz – wie geht es danach weiter?

INAsense ist der Einstieg, maßgeschneidertes Industrie-4.0-Retrofitting ist das Ziel. Das heißt: Im Laufe unseres Sensorkoffer-Einsatzes kristallisiert sich heraus, welche Parameter wirklich relevant für die jeweilige Produktion sind, bei welchen Daten demnach eine dauerhafte Erfassung lohnt. Auf dieser Basis können wir dann ein kundenspezifisch angepasstes Konzept entwickeln und auf Wunsch natürlich auch gern implementieren: von permanent installierter Sensorik über Sensordatenfusion und -analyse bis zum Training für die Mitarbeiter.

Wenig Raum, viel Inhalt

Auf 80 x 50 x 25 Zentimetern enthält INAsense jede Menge Technik: Neben Sensoren – etwa für Vibrations-, Druck-, Temperatur-, Luftfeuchte- und Anlagenleistungsmessung – auch eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) sowie Rechner, Gateway und LTE-Router für eine sichere Cloud-Anbindung. So können die erhobenen Daten in die geschützte Fraunhofer-Cloud transferiert und dort insbesondere maschinelle Lernverfahren zur Datenanalyse genutzt werden.

Dieses Interview ist zuerst im Newsletter InfOSB, Ausgabe 2/2018, erschienen.

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