[Interview] Sensordatenserver FROST® auf dem Vormarsch

Fraunhofer Open Source SensorThings API Server oder kurz FROST® heißt eine Software für das Internet der Dinge (IoT), die derzeit immer mehr Anwender vom Wassersensorik-Spezialanbieter bis zu Stadtverwaltungen und Behörden findet. Drei Fragen an den FROST®-Entwickler Dr. Hylke van der Schaaf aus der Abteilung Informationsmanagement und Leittechnik (ILT) des Fraunhofer IOSB.


Herr van der Schaaf, was genau ist FROST®?

Das Internet der Dinge vernetzt räumlich verteilte Sensoren und Aktoren, und zwar potenziell sehr viele und sehr unterschiedliche. Um die anfallenden Daten strukturiert sammeln und effizient nutzen zu können, sind Standards ungemein hilfreich. Das Open Geospatial Consortium (OGC) hat mit der »SensorThings API« einen solchen veröffentlicht. Und weil dieser Standard uns gut und zukunftsträchtig erschien, haben wir beschlossen, ihn zu implementieren. Ziel war eine leistungsfähige, ressourcenschonende Serversoftware für Anwendungen im Forschungsumfeld wie auch in kommerziellen Projekten. Der Nachfrage nach zu urteilen, ist unser Plan aufgegangen.

Was kann man damit konkret machen?

Mit FROST® lassen sich Daten beliebiger Sensornetzwerke in Echtzeit sammeln, um sie jederzeit schnell verfügbar zu haben und alle Arten von Auswertealgorithmen anzudocken. Ob es dabei um weiträumige Umweltdaten oder Smart-Building-Ansätze, um Stromverbräuche, Temperaturverläufe oder den Straßenverkehr geht, ist egal. Die Stadt Hamburg plant beispielsweise, FROST® für all die genannten Bereiche einzusetzen, um die Smart-City-Idee zu verwirklichen. Übrigens gibt es abgesehen von der Serversoftware auch noch FROST®-Bibliotheken für Clients, also für einzelne IoT-Devices, die mir dem Server kommunizieren sollen, und ein FROST®-Dashboard für leicht zu handhabende Visualisierungen und Auswertungen.

FROST® ist Open Source – warum?

Eine offene Implementierung passt natürlich besser zu einem offenen Standard. Zudem sind wir eine Forschungseinrichtung. Statt Software zu verkaufen, unterstützen und beraten wir lieber FROST®-Anwender wie die Stadt Hamburg in ihren konkreten Projekten. Das Open-Source-Modell bringt uns näher an die Nutzer, was uns viele Ideen liefert, wie wir FROST® besser machen können. Die Nutzer sind auch eher geneigt, Fehler zu melden oder selber Verbesserungen zu implementieren. Das hilft uns wiederum in Projekten, in denen wir FROST® selber einsetzen.



FROST® im Praxiseinsatz: Wer nutzt die Softwareplattform?

Smart City Hamburg: Im Rahmen ihrer Digitalstrategie führt die Hansestadt verschiedenste Daten in der Urban Data Platform Hamburg zusammen. Neuerdings fließen auch Sensordaten ein, etwa zur Auslastung von E-Auto Ladestationen oder zur Verfügbarkeit von City Bikes an den Ausleihstationen. Für das Handling dieser Echtzeitdaten nutzt die Urban Data Platform FROST®.

Bureau de Recherches Géologiques et Minères (BRGM): Die wichtigste öffentliche Einrichtung in Frankreich für geowissenschaftliche Anwendungen verfügt über einen Datenbestand von über 136 Millionen Wasserqualitätsmessungen mit etwa 1.500 verschiedenen chemischen Substanzen, die an über 18.000 Messstellen erfasst werden. Derzeit wird die Nutzung von FROST® für die Verwaltung und den leistungsfähigen Zugriff auf diese Daten untersucht. Die bisherigen Ergebnisse sind sehr vielversprechend.

beAWARE: In dem EU-geförderten Konsortialprojekt, an dem das Fraunhofer IOSB beteiligt ist, soll eine integrierte Lösung für Vorhersage, Frühwarnung und Notfallmanagement bei extremen Wetterereignissen entwickelt werden. Um bei Hitzewellen, Waldbränden oder Überschwemmungen einen schnellen und präzisen Überblick über Ausmaß und Auswirkungen zu bekommen, gilt es, sehr heterogene Daten in die Auswertung einzubeziehen: Neben Wetterstationen können etwa auch Postings in sozialen Medien wichtige Hinweise liefern. FROST® ist dabei ein zentraler Baustein.

IoTOS GmbH: Das Water Quality Portal ist ein industrielles Angebot zur Erfassung und Visualisierung von Messwerten zur Zustandsüberwachung der Wasserqualität in Flüssen, Seen und Meeren. Es basiert auf IoT-Applikationen und -Services der IoTOS-Suite, in die auch der FROST®-Server des Fraunhofer IOSB eingebunden ist.

Dieses Interview ist zuerst im Newsletter InfOSB, Ausgabe 2/2019, erschienen.

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