Ergebnisse des VDI-Kongresses zu „Industrie 4.0“

Am 4. und 5. Februar fand in Düsseldorf die VDI-Tagung “Industrie 4.0” statt. Hier wurden dem Standort Deutschland gute Perspektiven durch Industrie 4.0 prognostiziert.

Die Flexibilität von Produkten und Produktionsprozessen systematisch durch Vernetzung, dezentrale Steuerungsmechanismen sowie intelligente Datenaufnahme und Integration zu erhöhen, ist Kennzeichen des Zukunftsprojekts „Industrie 4.0“. Die Menschen stehen dabei im Zentrum der Vernetzung zu den Dingen und Diensten und sind in stetem Austausch mit Kunden, Lieferanten und dem Markt. Die hieraus entstehenden Folgen und Herausforderungen thematisierten VDI-Direktor Ralph Appel und Dr.<>Ing. Kurt D. Bettenhausen, Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess und Automatisierungstechnik (GMA), auf einer Pressekonferenz während der Tagung.

Die Bedeutung von „Industrie 4.0“ für den Produktionsstandort Deutschland ist heute unumstritten. Die neue Bundesregierung hat das Thema im Koalitionsvertrag verankert, die Erwartungen sind hoch. „Da die Frage der Wirtschaftlichkeit nicht erst am Ende der Entwicklungszeit beantwortet werden darf, beschäftigen wir uns im VDI bereits mit der Realisierbarkeit, der stufenweisen Einführbarkeit und mit dem konkreten Nutzen für unsere Industrie“, sagte R. Appel. Viele Unternehmen, Forschungseinrichtungen verschiedener Fachdisziplinen und Verbände setzen sich bereits für den Erfolg ein. „Hierin steckt aus unserer Sicht auch das Neue: Die Ideen und Ziele zum Erfolg des Standorts Deutschland gemeinsam umzusetzen. Darüber hinaus werden sich nicht nur Perspektiven für die Produktion in Deutschland, sondern auch für heimische Ausrüster und Dienstleistungsanbieter ergeben“, ergänzte Dr. K. D. Bettenhausen. Aus Sicht des VDI wird die industrielle Welt mit der Umsetzung von „Industrie 4.0“ zunächst nicht einfacher. Im Gegenteil, meinte Dr. D. K. Bettenhausen: „Die zunehmende Vernetzung von Geräten und Systemen sowie die ansteigende Informationsdichte werden industrielle Anlagen noch komplexer machen. Es werden weitere Fragen nach Datenverfügbarkeit, -sicherheit und -gültigkeit aufkommen. Das bedeutet zusätzliche Herausforderungen für Ingenieurinnen und Ingenieure, die solche Anlagen entwickeln, projektieren und in Betrieb nehmen.“

IT-Sicherheit nimmt Schlüsselrolle ein
Mit „Industrie 4.0“ und den damit verbundenen notwendigen und durchgängigen IT-Lösungen erhält Informationssicherheit, besonders der Schutz vor Datenmissbrauch und Spionageangriffen, eine Schlüsselrolle. „Die Anzahl von Cyber-Angriffen auf Industrieanlagen bzw. Infrastrukturanlagen großer wie kleiner Unternehmen ist weit höher, als uns die Nachrichtenlage derzeit glauben lässt, da viele Unternehmen Cyber-Angriffe verschweigen – aus Angst vor noch größerem Schaden und sinkendem Vertrauen der jeweiligen Kunden“, so R. Appel. Die deutsche Wirtschaft nennt derzeit einen Schaden von 50 Mrd. € durch Cyber-Angriffe – die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weit höher. „Neben den notwendigen Einzelmaßnahmen der Unternehmen müssen wir hier ein stärkeres nationales Bewusstsein schaffen und dafür sorgen, dass relevante IT-Infrastruktur auch am Standort Deutschland untergebracht ist und damit im nationalen Zugriff bleibt“, forderte er weiter. „Informationssicherheit wird zunehmend Geld kosten – auf Seiten der Infrastruktur und auf Seiten des Personals, welches geschult werden muss und welches sich der damit verbundenen Risiken im Industriealltag bewusst ist.“

Industrie 4.0 verändert die Arbeitswelt
Der VDI geht davon aus, dass „Industrie 4.0“ ein Schlüssel für die Stabilisierung von Beschäftigung am Standort Deutschland sein wird. „Auch wenn es im ersten Moment klingt, als würde die durchgängige Vernetzung dazu führen, dass die menschliche Arbeitskraft mit ,Industrie 4.0’ immer weniger gebraucht wird, so ist dies ein Trugschluss. Der Mensch wird aus der Fabrikhalle nicht verschwinden, denn er bringt die unschätzbare Fähigkeit der Kreativität ein und die Kompetenz zu flexibler Lösungsfindung“, sagte R. Appel. Allerdings werden sich die Arbeitsplätze verändern. Neben den bisherigen Qualifikationen werden Kenntnisse in IT-Infrastruktur, Software und IT-Sicherheit unumgänglich sein. Für die heute Beschäftigten heißt dies Weiterbildung – für diejenigen, die erst noch auf den Arbeitsmarkt kommen, müssen entsprechende Voraussetzungen in der Ausbildung und vor allem zu Beginn der Berufstätigkeit geschaffen werden. R. Appel stellte allerdings klar: „Wir benötigen keine neuen Studiengänge in den Ingenieurwissenschaften. Dennoch muss die Ausbildung der Ingenieure auf die Erfordernisse von Industrie 4.0 abgestimmt werden. Ein solides Studium, zum Beispiel des Maschinenbaus oder der Elektrotechnik, muss und wird auch zukünftig ausreichen, um nach entsprechender Einarbeitung in den Fabriken der ‚vierten industriellen Generation‘ zu bestehen.“

Weitere Informationen unter http://www.vdi.de/industrie40 .

17.02.2014

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