Neue repräsentative Studie „Digitale Transformation 2018“; Fazit: Deutschland überschätzt sich und fällt zurück!

Fast jedes zweite Großunternehmen in Deutschland sieht sich heute als „sehr gut“ oder „gut“ auf die digitale Transformation vorbereitet. Während die Hälfte der Unternehmen einen starken digitalen Wandel in ihrer Branche prognostiziert, sieht nur jedes fünfte einen ebenso starken Veränderungsdruck beim eigenen Geschäftsmodell. Insgesamt wiegen sich deutsche Großunternehmen bei der digitalen Transformation in Sicherheit – Google und Amazon werden nicht als Wettbewerber erkannt. Das sind einige Ergebnisse der aktuellen Etventure-Studie „Digitale Transformation 2018 – Hemmnisse, Fortschritte, Perspektiven“, die in Zusammenarbeit mit GfK durchgeführt wurde.

Die digitale Transformation zählt aktuell in fast zwei Drittel (62 %) der deutschen Unternehmen ab 250 Mio. € Jahresumsatz zu den drei wichtigsten Firmenzielen. Im Vorjahr waren es erst 50 %, 2016 41 %. Zugleich verbessert sich die Selbsteinschätzung: Sahen sich im Vorjahr erst ein Drittel der Unternehmen „sehr gut“ oder „gut“ bei der Digitalisierung aufgestellt, sind es jetzt 42 %. Die Resultate der zum dritten Mal mit der GfK durchgeführten repräsentativen Studie geben dennoch Anlass zur Sorge: „Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung der deutschen Unternehmen und den realen Herausforderungen durch die Digitalisierung“, resümiert Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer von Etventure.

Dies spiegelt sich auch in den weiteren Ergebnissen der repräsentativen Studie von Etventure und GfK wider: So versteht die Mehrheit der befragten Entscheider in deutschen Großunternehmen unter digitaler Transformation primär nur die „Digitalisierung des bestehenden Geschäftsmodells beziehungsweise bestehender analoger Prozesse“ (55 %). Nur halb so viele (28 %) nennen dagegen den „Aufbau neuer digitaler Geschäftsmodelle“.

Gleichzeitig sieht annährend jedes zweite Unternehmen (49 %) die eigene Branche einem „starken“ oder sogar „sehr starken“ Wandel ausgesetzt. Doch gerade einmal jedes fünfte Unternehmen (21 %) sieht einen ebenso starken Wandel auch beim eigenen Geschäftsmodell voraus.

Zudem denken laut der Studie sechs von zehn Unternehmen (59 %), dass sie in den kommenden drei Jahren auch ohne jegliche Maßnahmen zur digitalen Transformation keine Umsatzeinbußen befürchten müssen. Außerdem richtet sich der Blick der Unternehmen noch immer vorwiegend auf die Konkurrenz aus der eigenen Branche: Lediglich 22 % sehen in Tech-Konzernen, wie Google oder Amazon, die größte Wettbewerbsbedrohung der Zukunft und lediglich 7 % nehmen Start-ups als ernsthafte Konkurrenz wahr. Und generell werden die Auswirkungen der digitalen Transformation nach Auffassung der Hälfte der befragten Unternehmen (51 %) frühestens in drei Jahren sichtbar.

Die Studie zeigt auch, warum es einigen Großunternehmen in Deutschland die Umsetzung der digitalen Transformation noch immer schwerfällt. Als größte Hürde wird „die Verteidigung bestehender Strukturen“ durch die Mitarbeiter im Unternehmen genannt (58 %), gefolgt von „mangelnder Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen“. Ein von Jahr zu Jahr wachsendes Hemmnis stellen zudem blockierende Sicherheitsanforderungen dar: Nannten 2016 erst etwa ein Drittel der Unternehmen dieses Argument und waren es 44 % in 2017, klagt jetzt schon fast jede zweite Firma (48 %) darüber. Hinzu kommen Zeitmangel, fehlende Flexibilität und Geschwindigkeit sowie zu viele Entscheidungsebenen, die einer schnellen Digitalisierung im Wege stehen.

Zur Umsetzung der digitalen Transformation setzen die befragten Unternehmen zunehmend auf die Einrichtung eines firmeneigenen Digital-Labors: Fast jedes zweite befragte Unternehmen (44 %) verfügt heute schon über eine eigene interne Digitaleinheit. Im Vorjahr waren es erst 33 % und 2016 erst 30 %. Den Schritt, die Digitaleinheit aus dem Unternehmen auszugliedern und damit fernab der Kernorganisation als externes Tochterunternehmen aufzubauen, wählen tatsächlich aber nur 8 % der Unternehmen.

Für die Etventure-Studie sollten die deutschen Großunternehmen nicht nur ihre eigene Digitalisierung und die ihrer Branche einschätzen, sondern auch den digitalen Fortschritt in Deutschland insgesamt bewerten. Deren Urteil fällt kritisch aus: So vergeben die befragten Entscheider für die Digitalisierung in Deutschland im Durchschnitt nur eine Zeugnisnote von 3,3.

Quelle und weitere Informartionen: https://www.openautomation.de/detailseite/etventure-praesentiert-studie-digitale-transformation-2018-hemmnisse-fortschritte-perspektiven.html sowie https://service.etventure.de/digitale-transformation-2018

16.05.2018

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.